Position des Fachbereichs Nosokomiale Infektionen: Antimikrobielle Resistenzen

Antimikrobielle Resistenzen

  • Prävention geht vor Behandlung
    Die breit geführte Diskussion über Therapieoptionen, beispielsweise den Einsatz von Antibiotika, ist wichtig. Nur effektiver Infektionsschutz reduziert aber die Notwendigkeit, Infektionen behandeln zu müssen.

  • Die DART-Strategie
    der Bundesregierung muss weiterentwickelt werden und die Prävention von Infektionen sichtbar priorisieren.

  • Wie ist die derzeitige Situation?

    Die Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen gilt als eine zentrale Herausforderung nicht nur des Gesundheitswesens in Deutschland, sondern auch in den europäischen Nachbarstaaten. Antimikrobielle Resistenzen bedrohen die Gesundheit und das Leben von Patientinnen und Patienten, weil die Forschung und Entwicklung bezüglich neuer Antibiotika nicht den aktuellen Bedürfnissen Schritt hält und damit die dringend benötigten Behandlungsalternativen nicht zur Verfügung stehen. Nosokomiale Infektionen sind eine Ursache für den notwendigen Einsatz von Antibiotika. Aufgrund ihres häufigen Auftretens bedingen sie einen hohen Bedarf an wirksamen Antibiotika: In Deutschland erkranken nach aktuellen Schätzungen jährlich rund 600.000 Menschen an nosokomialen Infektionen - in Folge dieser Infektionen sterben bis zu 20.000 Menschen jährlich. An Infektionen durch antibiotikaresistente Erreger erkranken in Deutschland jährlich ca. 54.500 Menschen und ungefähr 2.400 Menschen sterben daran.

    Lösungsansätze

    Jeder Ansatz, der das Potential hat, den sachgerechten Einsatz von Antibiotika zu fördern und somit die Gabe von Antibiotika zu verringern, und damit Antibiotikaresistenzen zu vermeiden bzw. zu vermindern oder heraus zu zögern, muss unterstützt werden. 2015 veröffentlichte die Bundesregierung die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) mit dem Ziel, die Bekämpfung von Infektionen und Antibiotikaresistenzen voranzutreiben. Die Fortführung dieser Strategie ist notwendig, da das Ziel der Strategie seine Aktualität nicht verloren hat - insbesondere auch deshalb, weil es an Anreizen für die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika in Deutschland mangelt. Die Prävention von Infektionen muss daher in den Mittelpunkt gestellt werden. Denn immerhin bis zu einem Drittel der nosokomialen Infektionen gilt als vermeidbar – vor allem durch bessere Hygiene und Infektionsschutzmaßnahmen.

    Position des Fachbereichs "Nosokomiale Infektionen" (FBNI) im BVMed: Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz vor nosokomialen Infektionen

    Die konsequente Umsetzung von Hygienemaßnahmen und die Anwendung risikominimierender Medizinprodukte und -technologien sind effektive Mittel zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen.

    Vorgeschlagene Maßnahmen

    Die Antibiotika-Resistenzstrategie der Bundesregierung (DART) muss über das Jahr 2020 hinaus fortgeführt und weiterentwickelt werden. Sie muss klare Vorgaben enthalten, die die Bekämpfung von Infektionen und antimikrobiellen Resistenzen zum Ziel haben. Dabei gilt es, bislang ungenutzte Potenziale zu fokussieren:
    • Das Ziel der Reduzierung von Infektionsrisiken und Infektionen muss in einer Neuauflage der DART sichtbar priorisiert werden. Das bisherige Ziel 4 "Infektionsketten frühzeitig unterbrechen und Infektionen vermeiden" muss künftig Ziel 1 sein. Durch den Einsatz verfügbarer Medizintechnologien kann noch mehr als bisher dazu beigetragen werden, Infektionsrisiken zu minimieren und Infektionen zu reduzieren (z.B. beschichtete Implantate oder Monitoringsysteme).
    • Die Forschung zur Prävention und Reduktion von nosokomialen Infektionen muss weiter vorangetrieben werden. Bei der öffentlichen Forschungsförderung ist auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Forschung und der Industrie anzustreben.
    • Der Investitionsstau in der Krankenhausfinanzierung muss abgebaut werden, damit den Krankenhäusern ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stehen, um eine hohe Versorgungsqualität gewährleisten zu können und damit Infektionen zu vermeiden.

    Hinsichtlich der Vermeidung von nosokomialen Infektionen verweisen wir auf das aktuelle Positionspapier des Fachbereichs Nosokomiale Infektionen des BVMed.

    Stand: Januar 2020
    • FBNI-Positionspapier zu Krankenhausinfektionen: Antimikrobielle Resistenzen

      Januar 2020

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