Hintergrund

Nosokomiale Infektionen

Heute kann die überwiegende Mehrheit der in Gesundheitseinrichtungen behandelten Patienten geheilt werden. Bei manchen Patienten treten jedoch nicht beabsichtigte Komplikationen auf, eine der häufigsten sind nosokomiale bzw. Krankenhausinfektionen.

Mit der zunehmenden Komplexität der medizinischen Behandlung haben sich auch die Maßnahmen zur Infektionsprävention ständig weiterentwickelt. Dadurch, dass immer mehr invasive Behandlungen ambulant durchgeführt werden, müssen die Präventionsmaßnahmen im niedergelassenen Bereich ebenfalls regelmäßig überprüft und angepasst werden. Die Prävention der Krankenhausinfektionen ist eine der wichtigsten Säulen der Patientensicherheit. In diesem Zusammenhang sind Krankenhausinfektionen auch immer häufiger im Fokus der Patienten, der Kostenträger, der Politiker und der Medien.

Exakte Daten zur Häufigkeit von nosokomialen Infektionen in Deutschland fehlen. Es kann aber geschätzt werden, dass jährlich ca. 400.000 bis 600.000 nosokomiale Infektionen in Deutschland auftreten. Hochrechnungen gehen von jährlich ca. 10.000 bis 15.000 Patienten aus, die an nosokomialen Infektionen versterben. Welcher Anteil an nosokomialen Infektionen bzw. dadurch bedingter Todesfälle vermeidbar ist, ist nicht exakt zu beziffern. Auf Grundlage von Studien, in denen Präventionsmaßnahmen zur Reduktion von nosokomialen Infektionen führten, kann jedoch von 80.000 bis 180. 000 vermeidbaren Infektionen und 1.500 bis 4.500 vermeidbaren Todesfällen ausgegangen werden. Bei ca. 2.100 Akutkrankenhäusern in der Bundesrepublik entspricht dies pro Krankenhaus durchschnittlich 38 bis 86 vermeidbaren Infektionen jährlich, bzw. 3-7 vermeidbaren Infektionen im Monat. Durch die mit nosokomialen Infektionen verbundenen Kosten (Mehrausgaben für Diagnostik, Therapie, Liegedauer) ist effiziente Infektionsprävention somit auch mit einem erheblichen Einsparpotential für Krankenhäuser verbunden.

Die Mehrheit der Krankenhausinfektionen wird durch Bakterien hervorgerufen, manche aber auch durch Viren oder durch Pilze. Die Infektionserreger können durch Mitarbeiter verbreitet werden, einige Erreger werden über die Luft übertragen, andere werden über den Mund aufgenommen. Manche Erreger können lange Zeit in der Umwelt überleben, und andere Infektionen werden durch Antibiotika begünstigt, die die natürliche Darmflora reduzieren und den Darm des Patienten empfänglicher für Infektionen machen.

Für die Vermeidbarkeit der Infektionen ist ihre Pathogenese entscheidend.
Nosokomiale Infektionen entstehen oft durch Mikroorganismen der körpereigenen Flora des Patienten (endogene Infektionen). Diese Mikroorganismen besiedeln Haut und Schleimhäute und können unter bestimmten Bedingungen in sterile Körperbereiche gelangen. Sofern hierfür medizinische Maßnahmen wie Operationen, Gefäßkatheter, Blasenkatheter etc. eine Rolle spielen, spricht man auch von sekundär endogenen Infektionen. Die normale Mikroflora des Menschen verändert sich bei längerer Krankenhausbehandlung. Dabei kann es zur Besiedlung z.B. auch mit multiresistenten Erregern kommen. Bei Immunschwäche können die den Patienten besiedelnden Erreger dann zu Infektionserregern werden. Darüber hinaus existieren die exogen bedingten nosokomialen Infektionen, bei denen es zur direkten Übertragung der Erreger aus der Umwelt oder von anderen Personen (Patienten oder Personal) kommt. Während die Gruppe von nosokomialen Infektionen, die ihren Ursprung in exogenen Erregern haben, generell vermieden werden sollte, können endogen bedingte nosokomiale Infektionen nur teilweise verhindert werden.

Es konnte in der Vergangenheit immer wieder gezeigt werden, dass die Prävention von nosokomialen Infektionen durchaus möglich ist und dass geeignete Maßnahmen auch nachhaltig etabliert werden können. Dabei existiert in der Regel kein Mangel an geeigneten Präventionsempfehlungen, das Problem ist die konsistente Umsetzung der Maßnahmen.
Bei der Akzeptanz der Empfehlungen zur Infektionsprävention spielt die Evidenz für die Maßnahmen eine wichtige Rolle, aber auch die Nachvollziehbarkeit der Infektionswege und Maßnahmen zur Infektionsvermeidung können die Umsetzung verbessern.

Viele Menschen können sich Sachverhalte besser einprägen, wenn sie gut grafisch aufbereitet sind, deshalb wurde im Folgenden versucht, die Entstehung wichtiger Krankenhausinfektionen:
  • Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen
  • Wundinfektionen
  • Atemwegsinfektionen
  • Harnwegsinfektionen

zu visualisieren, um so die Maßnahmen zur Prävention besser verständlich zu machen und ihre Umsetzung zu verbessern.
  • 94/12|Berlin

    Bei konsequenten Hygienemaßnahmen ist mit ergebnisorientierter Zusammenarbeit und Kommunikation aller Beteiligten, ein großer Teil von nosokomialen Infektionen vermeidbar. Darüber waren sich die Referenten des BVMed-Hygieneforums 2012: "Prävention von Krankenhausinfektionen – Möglichkeiten, Grenzen und ökonomische Aspekte beim Einsatz von Medizinprodukten" am 13. November 2012 in Berlin einig. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen nach Ansicht der Experten verschiedene Strategien verfolgt werden, von Schulungen über die Optimierung der Arbeitsprozesse bis zum richtigen Einsatz der richtigen Medizintechnologien.

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    Die deutschen Krankenhäuser erhalten in den Jahren 2013 und 2014 rund 1,1 Milliarden Euro mehr. Das Kabinett hat den vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegten Vorschlägen zu kurzfristig wirksamen finanziellen Hilfen für Krankenhäuser zugestimmt. Die geplanten Maßnahmen entlasten die Krankenhäuser in mehreren Schritten.

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    Die Bundesregierung setzt die angekündigte Soforthilfe für Krankenhäuser um. In einem Gesetzes-Änderungsantrag zeigt sie auf, wie die Kliniken kurzfristig um eine Milliarde Euro entlastet werden sollen. Vorgesehen sind die Einführung des vollen Orien­tierungswertes, eine Änderung der Mehrleistungsabschläge und eine teilweise Refinanzierung der Tariferhöhungen.

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    Durch eine erneute Veränderung zur Regelung von Einmalprodukten und der Aufbereitung von Medizinprodukten im Kompromissvorschlag zur europäischen Medizinprodukte-Verordnung sieht der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) die Patientensicherheit massiv gefährdet. "Was derzeit in Brüssel für diesen Bereich erdacht wird, ist fern jeder Realität. Diesen Regelungen darf im Europäischen Parlament nicht zugestimmt werden. Stattdessen müssen erst einmal intensive Diskussionen mit den Experten und Betroffenen geführt werden", so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M.Schmitt.

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